Solaranlage des Monats: Vom Balkonkraftwerk zur Komplettsystem-Lösung in Sigriswil

Ein Gesamtsystem aus regionaler Technik und Rücksicht auf die Natur

Ort
Sigriswil, Berner Oberland
Katharina und Paul Shepherd

Montagedatum
17.04 2025: das Hauptdach wurde fertig
24.11.2025: zweiter Wechselrichter installiert und Hauptdach im Netz
24.03.2026: eine Batterie (15,8 kWh) wurde installiert.

Projektleiter
Janick Stähli

Die Geschichte hinter der Anlage

Die Idee zur Eigenversorgung entsteht oft klein. In Sigriswil begann der Weg der Energieautarkie nicht mit einer grossen Installation, sondern mit unserem ADEgeranium Balkonkraftwerk. Heute steht hier ein technisch ausgereiftes Gesamtsystem, das nicht nur Strom erzeugt, sondern auch intelligent verwaltet und dabei Rücksicht auf die Natur nimmt.

Katharina Shepherd erzählt

Weil der jüngste Sohn sein ADEgeranium am WG-Balkon in Zürich aus «ästhetischen Gründen» nicht aufhängen durfte, kam es nach Sigriswil. Es wirkte recht einsam an unserem Balkon und als im «Beobachter» ausgerechnet über jenes Modul ein Bericht erscheinen sollte, kam ein zweites dazu. «Sunneschyn», schon der Name des älteren Chalets, das wir 1996 kaufen konnten, war schliesslich Programm.

Das Chalet Sunneschyn mit Balkonkraftwerk ADEgeranium

Schrittweise Modernisierung und lokale Zusammenarbeit

Längst war es ein Ziel, unser kleines Meditationszentrum fossilfrei zu betreiben, doch auch aus finanziellen Gründen vollzog sich der Umstieg schrittweise. Zur besseren Isolation wurden die Fenster ersetzt und für den erhöhten Strombedarf der geplanten Erdsonden-Heizung, konnte auf dem neuen Dach des angebauten Meditationsraumes eine Aufdach-Solaranlage mit 18 Modulen installiert werden. Welche Firma wir dafür anfragen würden, war klar. Wir sind mit dem damaligen Projektleiter der Energie Genossenschaft Schweiz befreundet. Es war sehr inspirierend, sein Team kennenzulernen und miterleben zu dürfen, wie motiviert junge Menschen arbeiten, wenn ihre tägliche Arbeit Ziele angeht, die allen wichtig sind.

Aufdachanlage auf dem Dach des angebauten Meditationsraumes (Foto: © Raphael Grimm, ecb ag)

Die Ölheizung hatte ausgedient und zu unserer grossen Freude, konnte die Bohrung für die Erdsonde problemlos verwirklicht werden. Nach jedem grösseren Sturm fehlten Ziegel auf dem alten Hauptdach unseres Chalets und 2025 sollte nach längerer Planung das Dach erneuert und durch eine Indach-Anlage ersetzt werden. Während die ganze Anlage von der Energie Genossenschaft Schweiz geplant und realisiert wurde, waren lokale Handwerker für Baugerüst-, Zimmermanns-, Spengler- und Dachdeckerarbeiten zuständig. Die Zusammenarbeit unter den verschiedenen Handwerkern funktionierte gut, der respektvolle Umgang und die gegenseitige Hilfsbereitschaft waren beeindruckend. Auch beim gemeinsamen Znüni und Zvieri war die Stimmung immer gut. Es ist ein grosses Glück, dass das Dach von einem so motivierten Team ausgeführt wurde.

Das alte Dach / Dachsanierung / fertige Indachanlage

Ein Erfolg für Mensch und Natur

Die Art und Weise, wie etwas entsteht, hinterlässt Spuren. Weil wir ab dem 24. April die Mauersegler, die aus ihrem Winterquartier in Südwestafrika zurückkehren, erwarteten, mussten zu diesem Zeitpunkt das Dach fertig, und die 21 Nistkästen neu montiert sein. Alle, sogar das Wetter, gaben ihr Bestes und kaum war das Baugerüst abgetragen, trafen unsere Flugkünstler ein. Alle Nistkästen, auch die fünf neuen, waren sofort besetzt, ein Riesenerfolg!

Die Mauersegler und die Nistkästen

Rückkehr der Mauersegler kurz nach Fertigstellung der Bauarbeiten am Dach

Hier erfahren Sie mehr über diese faszinierenden Vögel: mauersegler-burgdorf.ch

Autarkie und Verantwortung

Schon im Herbst 2022 war die Fronius-Ladestation für den kleinen E-500 Fiat installiert worden. Zum Abschluss des gesamten Projekts bekamen wir im Frühling 2026 auch von Fronius eine 15,8 kWh Batterie. Seit Mai 2026 sind wir, was Strom betrifft, autark und konnten reichlich einspeisen. Wie weit es im Winter reichen wird, ist noch offen. Natürlich braucht die Herstellung der Module viel Energie. Wir achteten auf kurze Transportwege. Alle Module, Wechselrichter, die Batterie und die Ladestation kommen aus der Schweiz oder Österreich. Nebst Sparen und weniger Verbrauch von allen Gütern ist es für unser Klima essenziell, dass wir wegkommen vom CO₂-Ausstoss. Wir hatten auch grosses Glück mit dem Timing. Die Energie Genossenschaft Schweiz, ihr engagiertes Team und eine Umstellung auf fossil- und gasfreie Energie, empfehlen wir allen wärmstens, die die Verantwortung für ein Gebäude oder Fahrzeug tragen.

E-Ladestation / Kellerraum mit Froniussystem / Gesamtansicht: Indach- und Aufdachanlage / Südfassade mit ADEgeranium (Drohnenbilder: © Raphael Grimm, ecb ag)

Janick Stähli, Projektleiter der Energie Genossenschaft Schweiz

Janick Stähli
Umweltingenieur ZFH
Projektleiter

Im Gespräch mit unserem Projektleiter Janick Stähli über die besondere Geschichte und die technischen Details dieser Sigriswiler Anlage.

Was macht diese Anlage besonders?

Janick: «Besonders ist hier vor allem die Entstehungsgeschichte: Das Projekt ist schrittweise und organisch gewachsen. Es begann mit einem kleinen ADEgeranium Balkonkraftwerk, entwickelte sich über eine Aufdach- und später eine Indach-Anlage und mündete schliesslich im heutigen Gesamtsystem samt intelligentem Energiemanagement. Die Kundin hat sich also langsam an die Eigenproduktion herangewagt und heute steht eine Komplettlösung.»

Welche Komponenten kamen zum Einsatz?

Janick: «Neben der Photovoltaik haben wir eine Ladestation, einen Batteriespeicher und einen Ohmpiloten verbaut. Sämtliche Komponenten spielen intelligent zusammen, damit möglichst viel Strom direkt vor Ort genutzt wird. Der Ohmpilot ist dabei ein cleverer Regler: Er speist überschüssigen Sonnenstrom direkt in den Heizstab des Boilers ein. So nutzt die Anlage effektiv drei verschiedene Speicher: den Boiler, das Elektroauto und die Batterie im Keller.

Für den Kunden stand fest: Kurze Wege zählen. Die Module stammen daher aus der Schweiz und Österreich. Auch die restliche Technik – von Wechselrichter und Speicher bis zur Autoladestation – kommt mit der Firma Fronius aus Österreich.»

Gab es besondere Herausforderungen während der Montage?

Janick: «Ja, eine sehr besondere. Das Dach wurde komplett saniert und ist ein wichtiger Brutplatz für Mauersegler. Diese Vögel fliegen jedes Jahr rund 10’000 Kilometer zurück in ihre Nester unter dem Dach. Die Herausforderung bestand darin, die Bauarbeiten so zu terminieren, dass das Dach fertig ist, bevor die Mauersegler zurückkehren.

Wir haben es geschafft: Kurz nachdem wir die Arbeiten abgeschlossen hatten, sind die Tiere zurückgekommen und haben sich direkt sehr wohl gefühlt unter dem neuen Solardach. Das war für uns ein grosses Erfolgserlebnis.»

Wie bewertest du die finale Leistung?

Janick: «Das Ergebnis überzeugt mich auf ganzer Linie. Die Zusammenarbeit mit den lokalen Handwerkern – vom Holzbauer über den Dachdecker bis zum Elektriker – hat bestens funktioniert. Und optisch fügt sich die Anlage sehr stimmig in die Berglandschaft und das Ortsbild ein.»

Was die Kunden sagen

Nicht nur wir sind zufrieden, auch die Bewohner in Sigriswil sind begeistert:

«Es ist auch ein grosses Glück, dass das Dach von euch allen, von einem so gut motivierten Team, ausgeführt wurde! Die Art und Weise, wie etwas entsteht, hinterlässt ihre Spuren. Wir hatten ja auch riesiges Glück mit dem Timing und es wäre so wichtig, dass wir weltweit endlich mehr zum Schutz unseres Klimas unternehmen würden.»

Fazit

Genau solche Projekte zeigen, wie praxisnah der Umstieg auf erneuerbare Energien funktioniert. Wenn Planung, regionale Technik und Handwerk zusammenspielen, ist das der beste Weg in die eigene Energieunabhängigkeit. Die Anlage in Sigriswil beweist: Nachhaltigkeit bedeutet auch, die Natur zu achten und auf bewährte lokale Partner zu setzen – und dabei das grosse Ganze im Blick zu behalten.